Ramadan

Ramadan: Der Monat der gelebten Konsumkultur?

(Ramadan-) Tipp 7: Über die Kommerzialisierung des Monat Ramadans, Konsumkultur und das anstehende Ramadanfest, und weshalb es Zeit wird, selbst zum Produzenten zu werden.

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Einkaufsmeile, Libanon 2014 (RP)

Es wird gekämpft. Auch dieses Jahr wieder. Es ist jedoch nicht – wie erhofft – der Kampf mit sich selbst und damit einhergehend mit dem eigenen Schweinehund. Denn: Es ist der Kampf der Käuferinnen und Käufer im Supermarkt gegen den Rest der Käuferwelt. Der Kampf um das günstigste Gemüse, Obst, Fleisch, Kleidung, Elektroware. Es ist ersichtlich: Die letzten Tage von Ramadan sind angebrochen. Über all sind Leuchtreklamen zu sehen, die die scheinbar erstklassigen Angebote bewerben: 8 Vanille-Puddingpackungen für den Preis von 6! 5 Packungen 1-Kilo Kaffee für den Preis von 4; wer all dies in der kurzen Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang essen und trinken soll ist unklar. Aber ein Schnäppchen ist es ja dennoch! Und da das Ramadan-Fest ohnehin vor der Tür steht, kann man solche Massen sicherlich auch dann gebrauchen. Und so wird kräftig zugegriffen. Ich stehe also da und beobachte, wie massenhaft eingekauft wird, als gebe es kein Morgen mehr. Die Kommerzialisierung des Monats Ramadan lässt grüßen: Hallo Ramadan-Industrie! Hallo globalisierte Konsumkultur! Ihr habt es geschafft, dass selbst internationale Unternehmen wie Coca Cola und Nestlé an vorderster Front mitwirken: So finden sich unheimlich viele Vertreter dieser Firmen an jeder Ecke des Einkaufszentrums, die mit tollen Ramadan-Gewinnspielen, Ramadan-Rätseln und Rabattaktionen werben. Das bloße Zuschauen dieser vielen Einzelnen die vor meinen Augen zu einer großen Konsummasse verkommen und in ihrer Einkaufsorgie gestresst durch die Regale strömen, übertragen ihren Stress auf mich. Ja, ich fühle mich gestresst; und vor allem irritiert. Irritiert vom gelebten Kapitalismus in diesen Stunden, der sich durch all dies bemerkbar macht. Ich frage mich, wie sich dann noch die Kritik einiger hier in der Orgie befindlichen Muslime an der Kommerzialisierung von Weihnachten äußern lässt. Ich habe keine Antwort darauf und beobachte also weiter. Ein trauriges Schauspiel. Immerhin: Ein Bücherstand. 5 Bücher im Preis von 4 (Wobei ich erwähnen muss, dass ich keine Interessenten an diesem Stand erblicken durfte; hing wohl damit zusammen, dass am Wühltisch nebenan 4 T-Shirts im Preis von 3 zu kaufen gab!).

Ramadan, der Monat der Besinnung und Selbstkontrolle? Adé!

Wo ist die Sinnhaftigkeit des Verzichts auf Nahrung, wenn wir sie jedoch durch den Konsum etwaiger anderer Dinge ausgleichen? Wo die innere Einkehr?

„Wie viele Fastende haben von ihrem Fasten nichts außer Hunger und Durst.“
Prophet Muhammad

An diesen Ausspruch des Propheten Muhammad sas. mögen wohl die ein oder anderen denken! Die Lösung dieser Kommerzialisierung? Ich kenne sie noch nicht so recht; ich weiß erst einmal nur, dass wohl hier der erste Schritt bei mir selbst zu tätigen ist; in der kritischen Reflektion meines eigenen Konsumverhaltens und in der Rückkehr zum spirituellen Aspekt des Ramadan. Der nächste Schritt ist dann der in meiner nächsten Umgebung.

„Der Glaube ist Ratschlag!“, sagte Muhammad sas. Und das ist er in der Tat – mögen wir daher die Menschen dazu bewegen sich zu besinnen, den Monat der Besinnung besinnlich zu beenden: Uns insbesondere in den letzten Tagen auf das Immaterielle fokussieren zu lassen. Hierzu empfiehlt sich ein Blick auf die folgenden Blogeinträge von Mohammed Johari:

http://www.monajo.de/2014/07/ueber-die-21-23-25-und-29-nacht-laylat-al-qadr/
http://www.monajo.de/2014/07/ueber-die-27-nacht-die-nacht-der-bestimmung/

Dies alles bedeutet jedoch nicht, dass ein absoluter Konsumverbot wünschenswert sei (oder vielleicht in gewissem Maße doch 🙂 ? ) Es geht lediglich um die Frage des wie, was und vor allem in welchen Maßen. Dabei spielt die Frage nach der Notwendigkeit selbstverständlich eine große Rolle. Wer zum Ende des Ramadanfestes Familie und Freunde, und speziell Kinder beschenken möchte, sollte dabei lediglich versuchen, das Ramadanfest nicht zu einem Geschenkeexzess-Fest verkommen zu lassen. Do It Yourself ist angesagt! Werde so zum Prosumenten und gestalte und produziere nach eigenen Wünschen.

Wie wäre es, eigene Pesto herzustellen und zu verschenken?
http://www.umweltberatung.at/diy-anleitungen/diy-baerlauchpesto

Oder leckeren Holundersaft?
http://www.umweltberatung.at/diy-anleitungen/diy-holundersirup

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Holunderblüten-Sammeln in Kranichstein (Aline & Soufian), 2016

Oder eine tolle Fotoleiste mit Familienbildern?
http://de.dawanda.com/do-it-yourself/werken-und-bauen/fotoleiste-selber-bauen

Da ich ein großer Fan von Europaletten bin: wie wäre es mit diesem Vorschlag?
http://de.dawanda.com/do-it-yourself/werken-und-bauen/rollbaren-couchtisch-aus-europaletten-bauen

Ihr seid auf den Geschmack von DIY gekommen? Dann schaut auch mal bei Neddas Welt vorbei, die in ihren Youtube-Kanal tolle DIY Ideen vorstellt (https://www.youtube.com/channel/UCbsyRMvZR4TdPw0CVrtTf2w).

Habt ihr weitere Tipps oder Empfehlungen? Dann her damit!


Autor: Asmaa

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3 Kommentare zu „Ramadan: Der Monat der gelebten Konsumkultur?

  1. Bei uns bekommen nur die Kinder Geschenke. Ich weigere mich generell, diesen Horror mitzumachen. Ich habe das vor Jahren auch in Ägypten mitbekommen. Ich glaube, es war eine Mercedes-Werbung nach dem Motto „Schenk deiner Frau was Schönes zum ‚Id“. 😱😵
    Das ist nun wirklich nicht der Sinn von Ramadan und ‚Id. Genauso wie das übertriebene Auftafeln zum Iftar. Wenn sie die Überbleibsel an Bedürftige geben finde ich es ja noch ok, aber vieles wird bestimmt auch einfach weggeschmissen, weil man es gar nicht aufbewahren kann.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich denke die Ursache für dieses schwerwiegendes Problem ist, die fehlende Zufriedenheit mit dem was hat. Leider sind die Menschen hungrig auf noch mehr. Es wird gekauft und nicht genutzt. Es wird gekauft um einfach nur haben nicht um zu benutzen. Es wird gekauft, gestapelt und dann weg geschmissen. Wie viele neue unbenutzte Dinge liegen im Müll? Und vor allem wie oft? Eine Verschwendung des Geldes, der Zeit, der Umwelt etc.

    Dazu für arabisch Sprechende:

    Gefällt 1 Person

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