Ramadan

„…esset und trinkt! Doch seid dabei nicht verschwenderisch.“ [26:17]

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Unser quasi – Neffe Soufian beim Erdbeerpflücken in Darmstadt 2016

(Ramadan-) Tipp 1: Bewusstes Essen und Trinken!

Wer verspürt sie nicht; die Freude auf einen Monat, dessen Zeichen voll im Lichte der Barmherzigkeit stehen; der Monat, an dem „Gott sich seinen Geschöpfen voller Barmherzigkeit“ zuwendet. Eben das scheint man in einem ganzen Monat über zu spüren (wobei man sicher darüber streiten kann, wie unterschiedlich sich das Nicht-Essen auf Einzelne auswirkt! 🙂 ) Ramadan stellt eine Zeit der Reduzierung seiner eigenen Begierden, seiner eigenen Ansprüche, seiner eigenen Neigungen dar. Es ist ein Ent-halten, macht man doch vor sämtlichen weiteren Dingen Halt. Ein Halt vor menschlichen Bedürfnissen. Es ist demnach auch die perfekte Zeit, um seine Seele zu läutern, sich selbst zu reflektieren und seinen eigenen Lebensgewohnheiten kritisch gegenüberzustehen. All dies kostet Kraft und Energie und ist demnach mit einigen Anstrengungen verbunden; denn die Auseinandersetzung mit sich selbst ist nicht nur eine psychische Last sondern eben auch eine physische. Umso wichtiger ist es, dass wir uns auch aufgrund dieser Aspekte während dieser Fastenzeit mit unseren Essensgewohnheiten auseinandersetzen; immerhin schöpfen wir aus diesem alltäglichen Fastenbrechen (Iftar) unsere Kraft und Energie für den ganzen Tag. Der falsche Zugang hierbei kann Gegenteiliges fördern: Müdigkeit, Schlaffheit, Trägheit; ja gar (Bauch-) Schmerzen sind ein all zu häufig auftretendes Problem (wer kennt Großmutters Schwüre nicht: „Wallahi das Stück isst Du noch!“ Und Du zwingst es, und isst es; und es wiederholt sich: „Wallahi das Stück auch noch. Du musst doch groß und stark werden!“ Die Tatsache, dass ich (Asmaa) ganze 1,82m groß bin, schien sie dabei nicht zu interessieren. Möge Gott mit ihrer Seele gnädig sein. Amin.)

Doch nicht nur aus diesem Grund ist es dringender denn je, sich der Frage nach bewussten Essen und Trinken in Ramadan zuzuwenden. Denn: Essensverschwendung an Ramadan scheint bei vielen fast schon ein fest verankertes Phänomen zu sein. So landen allein in Malaysia jedes Jahr zu Ramadan knapp 270.000 Tonnen (!) an Nahrung in der Mülltonne.[1] Das ist soviel Essen, dass davon knapp 180 Millionen Menschen hätten ernährt werden können.

Dieser Essensverschwendung möchten wir Einhalt gewähren. Denn:

 Stell Dir vor es ist Ramadan, und niemand Verschwendet! 

Es mag gar nicht verwundern, dass der Monat Ramadan gerade diese Gefahr darstellt. Die Erfahrung haben wir doch alle bereits gemacht: Mit leerem Magen einkaufen gehen und zu kochen kann gar nicht gut gehen (außer man berücksichtigt eben einige Aspekte!) Drum:

Führe eine Einkaufsliste:
Wie bereits erwähnt, ist es ein weit verbreitetes Phänomen, dass das Einkaufen mit leerem Magen nicht gut gehen kann. Hier empfiehlt sich daher, eine Einkaufsliste zu führen. Mache Dir hierzu zuvor Gedanken, was konkret auf den Tisch soll und geh’ los! Mir persönlich hat es immer geholfen, lediglich eine bestimmte Summe an Bargeld mitzunehmen. So war ich auch aufgrund finanzieller Ressourcen gezwungen, bewusst einzukaufen!

Achte auf lokale und Bio- Nahrung.
Und: Entdecke die regionale Vielfalt!

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Wochenmarkt in Marokko, Salé (2016)

 „Haben sie denn nicht gesehen, welche nützlichen und vortrefflichen Pflanzenarten Wir auf der Erde wachsen lassen? Darin liegt wahrlich ein Zeichen […].“
[Koran, 26: 7-8]

Kennst Du die Bio-Kiste? Nein? Dann wird es an der Zeit! Mit der Biokiste kriegst Du ausgewähltes, lokales und saisonal-verfügbares Gemüse und Obst nach Hause geliefert. (Unter folgender Website erfährst Du, welcher Landwirt in Deiner Umgebung solche Kisten anbietet: http://www.biokisten.org/).

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Darmstädter Wochenmarkt auf dem Marktplatz (2016)

Ökologisch noch wertvoller: Besuche doch mal wieder einen Wochenmarkt! Dort bekommst Du nicht nur für gewöhnlich die Bio-Kiste, sondern hast auch die Möglichkeit, mit Landwirten direkt in Kontakt zu treten und ins Gespräch zu kommen (wer vermisst diese Art von Gesprächen schon nicht?) Über folgende Website erfährst Du, wo in Deiner Umgebung Wochenmärkte stattfinden: http://www.wochenmarkt-deutschland.de/ So hast Du die Chance, unmittelbar an regionale Lebensmittel zu kommen. Diese sind nicht nur umweltschonender (aufgrund der kurzen Transportwege), sondern sind zudem auch geschmacklich überzeugend, da sie erntefrisch verkauft werden können. Zudem fördert man Kleinstunternehmen und schafft durch die Direktvermarktung der Lebensmittel Identität!

Und wenn schon mal über Direktvermarkter die Rede ist:

Unterstütze Handwerksbetriebe!
Unterstütze doch mal wieder kleinere Handwerksbetriebe, wo Qualität aufgrund eigener Herstellung groß geschrieben wird! Sicherlich gibt es auch in Deiner Umgebung sehr viele Hofläden und Bäckereien. Du weißt nicht wo? Dann lade Dir doch zum Beispiel die frimeo-App herunter! Dort kannst Du bequem über Deinen Smartphone nach Anbietern in Deiner Umgebung Ausschau halten (für mehr: www.frimeo.de).

Einkauf erledigt? Nächster Schritt!

Denn: Die Auseinandersetzung mit dem bewussteren Umgang mit Nahrung beinhaltet nicht nur die Frage, was wir zu uns nehmen, sondern viel mehr auch die Frage, wie viel. Denn letztlich gilt auch hier:

Esse weniger, nicht mehr!
Drum: Kleinere Portionen helfen!

Prophet Muhammad (sas):
„Dem Sohn Adams genügen einige (wenige) Bissen, um ihn am Leben zu erhalten. Doch wenn es unbedingt sein soll, dann sollte er ein Drittel (des Magens) für das Essen, ein Drittel für das Trinken und ein Drittel (leer lassen und) für leichtes Atmen (zur Verfügung stellen).“ (Quelle: At-Tirmidhi, Riyad us-Salihin Nr. 516)

Jeglicher Exzess ist in Ramadan verpönt; es mag daher nicht verwundern, dass sich dass auch auf unsere Essensgewohnheiten bezieht. Wir beispielsweise haben uns vorgenommen, dieses Jahr lediglich kleine Teller auf dem Esstisch zu platzieren. So wird weder verschwendet noch dem Gefühl nachgekommen, den Teller zwingend leer zu essen; so wird auch der Völlerei hier Grenzen gesetzt 🙂

Verschwende nicht!

O Kinder Adams, habt eine gepflegte Erscheinung an jeder Gebetsstätte, und esset und trinkt, doch seid dabei nicht verschwenderisch; wahrlich, Er liebt nicht diejenigen, die nicht maßhalten. [Koran, 7:31]

Trotz aller Bemühungen viel zu viel gekocht? Wie wäre es, wenn Du Deiner Nachbarin oder Deinem Nachbarn mit Deinem Essen beglückst (je nach Kochtalent ist der Aspekt des Beglückens wohl eher relativ zu betrachten :)). Oder auch eine Möglichkeit: Friere das übrig Gebliebene ein. Achte darauf, hierfür Tupperwaren (noch besser: Glasbehälter) zu verwenden, und so vor unnötigen Einweg-Plastikbeutel halt zu machen. In meiner Studentenzeit war dies meine Rettung: Der täglichem Kocherei mittels Gefrierschrank Abhilfe schaffen 🙂

Weitere Möglichkeit:
Sie sind doch noch #zugutfürdieTonne:

Mittlerweile gibt es Online allerlei tolle Internetseiten, bei denen Du einfach und unkompliziert Deine vorhandenen Lebensmittel eintragen kannst, sodass Du zum Ende hin tolle Rezepte geliefert bekommst. Hier empfiehlt sich u.a. die App #zugutfürdietonne.

Es sei jedoch noch anzumerken, dass auch die Lagerung von Lebensmittel dabei behilflich sein kann, Lebensmittel länger haltbar zu machen! Wusstest Du beispielsweise, das Bananen und Tomaten möglichst nicht in den Kühlschrank gehören und das vor allem Bananen getrennt von anderem Obst gehalten werden sollten?

Motiviert und Lust andere anzustecken? Passend zum heutigen Blogeintrag DIE perfekte Challenge!

#ZeroWasteIftarChallenge2016! Im nächsten Post dazu mehr!

So viel erst einmal hierzu. Der nächste Blogeintrag wird sich dem Thema „Reduziere Deinen Fleischkonsum“ zuwenden; eine ganz persönliche Herzensangelegenheit. Denn es steht außer Frage: Verringerter Fleischkonsum hilft der Umwelt (bedenke: Zur Herstellung eines Kilogramms Rindfleischs werden 15.455 Liter Wasser benötigt!). Doch dies allein sollte nicht die einzige Motivation sein; viel mehr gilt es sich auch der Frage nach dem Tier selbst zu stellen: Wie Fleischkonsum und Umwelternährung zusammenhängen, und weshalb es auch aus islamisch-ethischen Gründen (zumindest!) ratsam wäre, Deinen Fleischkonsum drastisch zu minimieren, werde ich mir in aller Ruhe im nächsten Blogeintrag zuwenden! Vielleicht fängst Du daher jetzt schon mal damit an und:
Drum vorweg: Reduziere Deinen Fleischkonsum!


[1] http://www.thestar.com.my/news/nation/2015/06/19/food-waste-ramadan/


Autor: Asmaa

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Ein Kommentar zu „„…esset und trinkt! Doch seid dabei nicht verschwenderisch.“ [26:17]

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