Jede Woche eine grüne Tat · Tierschutz · Umweltschutz

Umweltschutz und Fleischkonsum

Und was unser Muslim_a-sein damit zu tun hat

Wir sind genervt, genervt von den endlosen Diskussionen darüber, dass man als Muslim_a problemlos massenhaft Fleisch essen könne, so lange lediglich die Tasmya (sprich bismillah, die Nennung Allahs) stattgefunden habe. Somit wird der Fleischkonsum und alles damit Einhergehende auf ein einziges Wort reduziert: Bismillah! Alle weiteren ethischen Implikationen aus Koran und Sunna werden für Person x in jenem Moment ausgeblendet.

Unsere Absicht ist es sicherlich nicht, eine theologische Begründung dafür zu liefern, Fleischkonsum zu verbieten, denn eine Erlaubnis können wir dem Koran klar entnehmen. Es geht jedoch um einen gesunden Umgang, ist doch Fleisch keine Sache, die wir aus einem Ding gewinnen, ohne dass es Auswirkungen auf uns oder diesen hätte! Es geht um die Würdigung dessen, was zwar erlaubt, aber in Grenzen zu verzehren sein sollte ­­– und zwar unter Berücksichtigung aller Konsequenzen; für Mensch, Tier und Natur! Wie sonst kann man sich einer Religion zugehörig fühlen, die man als holistisch, all-umfassend, betrachtet, wenn man sich im nächsten Schritt lediglich auf die eigenen Interessen fokussiert? Wie sonst will man dieses massenhafte Töten von Lebendigem unter lebewesen-unwürdigen Momenten legitimieren und die damit einhegehende absolute Verdinglichung dieser, wenn sich doch bereits die kleinsten Tiere, die Ameisen, im Koran über die Unachtsamkeit des Menschen ihnen gegenüber beschweren und bei Gott Zuflucht suchen? Wie ist es überhaupt möglich, Tieren Leid zuzufügen, von denen wir aus dem Koran erfahren, dass sie mit Gott interagieren und pausenlos Gott preisen, mit unseren Entscheidungen bewusst (!) durch diesen aktuell stattfindenden Massenkonsum und all die Konsequenzen hiervon.

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Lombok (Indonesien) 2016

Es geht darum, sich der Frage nach dem wie und wie viel zu öffnen. Bewusster mit sich, seinen Mitmenschen aber eben auch seinen weiteren Mitgeschöpfen zu werden, sich für das Leid anderer zu sensibilisieren. Und: Sich vor allem bewusst zu machen, das unser Konsumverhalten etwas bewirkt, nicht nur für uns und für die nächsten Generationen, sondern eben auch für unsere Mitlebenden. Die Augen vor der Massentierhaltung abzuwenden, von der ein Großteil unseres hiesigen „Halal-Fleisches“ betroffen ist, abzuwenden, wäre schwach und falsch. Gerade in unserer Funktion als Statthalter_innen auf Erden (khalifa) gilt es mehr denn je sich dieses Themas zu öffnen und in unserem alltäglichen Handlungen alles zu berücksichtigen. Das dieser Weg nicht einfach ist, ist klar. Insbesondere, da gerade der Fleischkonsum bei dem ein oder anderen einen Suchtfaktor eingenommen hat. So heißt es beim zweiten Kalifen ’Umar (Gottes Wohlgefallen auf Ihn):

„Hütet euch vor zu viel Fleisch, denn es hat eine Abhängigkeit wie die Abhängigkeit von Wein.“ (Quelle: Ibn Malik: Muwaṭṭaʾ, in: Bāb al-laḥm)

Es gilt sich demnach dieser Abhängigkeit zu stellen, für einen bewussteren Umgang mit uns, unseren Essgewohnheiten, den nachkommenden Generationen, der Umwelt und konkret: für das Tier, unserem Mitgeschöpf.

Grüne Tat der Woche:
Kochen ohne Knochen!

Unser Konsumverhalten beeinflusst auch die Umweltbelastung, so viel ist klar. Doch schon gewusst, dass auf Platz 1 der weltweiten Klimakiller unser ach so beliebtes Fleisch steht? Um sich dies bewusst zu machen, reicht ein kurzer Blick in einige Statistiken*. Denn: wusstet ihr, dass

  • über 50 % der heute erwirtschafteten Ernten werden dazu verwendet, Masttiere zu füttern? (#Welthungerproblematik lässt grüßen!)
  • für ein 1 kg Fleisch 16 kg Getreide und Soja an das jeweilige Tier verfüttert werden muss, was weltweit hungernden Menschen entbehrt wird?
  • knapp 15.000 Liter zur Produktion eines einzigen Kilos Rindfleisch benötigt werden?
  • 70% des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden Verwendung finden?
  • (mindestens) 20% der gesamten von Menschen verursachten Treibhausgabe der Tierwirtschaft zuzuschreiben sind? (Das ist mehr, als durch den internationalen Tarnsportwesen geschieht!)
  • die Hälft des in Europa produzierten Rindfleisches zu Niedrigpreisen in Teile Afrikas und Asiens verkauft wird und so die Wirtschaft dort vor Ort zerstört wird?

Nicht zu erwähnen die Antibiotika und Hormone, das durch die Massentierhaltung verursache Waldsterben und damit einhergehend Verlust von Arten, Belastung von Grundwasser durch Nitrat u.v.m.

Es scheint demnach nicht zu verwundern, dass Fleischkonsum ein absoluter Umweltkiller ist – ein bewussterer Umgang mit Fleisch ist daher unumgänglich. Sich des Themas Umweltschutz anzunehmen ohne sich mit seinem eigenen Fleischkonsum auseinanderzusetzen und zu regulieren, scheint unumgänglich. Wir (Max Musa und ich) führen mittlerweile einen absolut Fleischlosen Haushalt. Begonnen hat dies mit vegetarischen Tagen bzw. vegetarischen Wochen. Eine gute Alternative, um sich einen bewussteren und gesünderen Umgang mit Fleisch anzueignen.

Im Folgenden noch ein Link über die heutigen Produktionsbedingungen, die mit unserem Konsum einhergehen:
https://www.youtube.com/watch?v=-wZbS7V7Vuo

—–
*(alle Zahlen stammen aus: http://www.peta.de/umwelt#.WE1KpZJLOSc und https://vebu.de/tiere-umwelt/umweltbelastung-durch-fleischkonsum/ und http://www.geo.de/natur/oekologie/5197-rtkl-vorsicht-fleisch)


Autor: greenukum

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